Die Kirche St. Jakob der Ältere zu Troistedt
In einer Urkunde für das Kloster Oberweimar wurde Dratsted 1250 erstmals erwähnt. Ein Großteil des Grundbesitzes war bis zur Reformation in der Hand des Klosters Oberweimar. Danach gewann Troistedt für den fürstlichen Jagd- und Forstbetrieb an Bedeutung. Die fortlaufende Dorfchronik beginnt 1587 in den Kirchenbüchern. Saalkirche, deren Westturm Rest der Vorgängerkirche des 15. Jahrhunderts ist. 1823 bei Sanierung der Orgel, Brand der Kirche. Der rechteckige Saal sowie der eingezogene Chor mit dreiseitigem Abschluss wurden 1824-26 in romanisierenden Formen nach Plänen von Clemens Wenzeslaus Coudray verändert wiederaufgebaut. Im Turm Kreuzgratgewölbe (viele Jahre als Jugendraum genutzt). Schiff und Chor Holztonnen und zweigeschossige Emporen. Im Osten steht Emporenkanzelaltar nach Plänen von Coudray. Dieser schlichte Altar, „in sachlicher Form“, nimmt Elemente der Pariser Revolutionsarchitektur (Arkadenreihen, Dreiecksgiebel) auf. Coudray hatte 10 Jahre vor dem Wiederaufbau in Troistedt in einem Vortrag in Fulda festgestellt: „Die architektonische Schönheit geht lediglich aus Zweckdienlichkeit und Simplicität hervor, den Styl und Charakter, Abwechslung und Wirkung, so wie alle Schönheiten, welche man an den Werken der Baukunst wahrnimmt, oder bey Ausführungen derselben anzubringen sucht, müssen die natürliche Folge einer Anordnung seyn die den Anforderungen der Conveninenz („Zweckmäßigkeit“)und Oekonomie („Sparsamkeit“) vollkommen entspricht.“ Im Obergeschoss in eine Säulengalerie beidseits der Kanzel wurden spätgotische Schnitzfiguren (um 1500) der zwölf Apostel eingestellt. Nach einer Legende hat diese Figuren Johann Wolfgang Goethe zur Verfügung gestellt. Sie waren ursprünglich nicht in dieser Kirche zu Hause. Die mittelalterlichen Schnitzwerke der Kirche sind heute im Schlossmuseum Weimar zu sehen (romanisches Kruzifix, gotisches Kruzifix und Madonna). Die „barocke Haube“ des Turmes, die Feininger zeichnete, wurde erst 1904 geschaffen. Coudray hatte ein flaches Zeltdach mit noch aufgesetztem, kleinem Viereck-Türmchen und Zeltdach als Turmabschluss konzipiert. Die Orgel wurde 1823 von Johann Christian Adam Gerhardt (1780-1837) gebaut (1035 Pfeifen ein Glockenspiel).
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